Die Psalmen der BasisBibel
Von Dr. Alexander Fischer
Mit der Übersetzung der Psalmen betritt die BasisBibel in doppelter Weise Neuland. Zum einen sind die Psalmen in Hebräisch geschrieben, also nicht in einer europäischen, sondern in einer orientalischen Sprache. Zum anderen handelt es sich bei den Psalmen nicht um Erzähltexte wie bei den Evangelien, sondern um poetische Gebetstexte. Ihre Übersetzung ist damit auch ein Stückweit an ihren Rhythmus und an ihre Bildsprache gebunden. Zur Einführung möchten wir dazu einige Besonderheiten vorstellen und beginnen mit einer Eigenart des Hebräischen. Denn in dieser Sprache gibt es auch Sätze, die gar kein Verb besitzen. Man nennt sie “Nominalsätze”. Ein Beispiel dazu ist Psalm 54,6. Der Vers lautet wörtlich übersetzt:
Siehe: Gott Helfer mir /
der Herr bei den Stützen meiner Seele.
Für gewöhnlich fügt man bei diesen Sätzen das Hilfsverb “sein” im Deutschen ein. Danach ergibt sich folgende Aussage:
Siehe: Gott ist mir ein Helfer /
der Herr ist bei den Stützen meiner Seele.
Doch ist auch eine solche Übersetzung noch mangelhaft. Denn der Nominalsatz möchte ja etwas darüber sagen, wer dieser Gott “ist” und wie er sich in der Gegenwart dem Beter und uns Menschen zeigt. In der BasisBibel wird der Vers deshalb so heißen:
Sieh doch: Gott ist es, der mir zu Hilfe kommt, /
der Herr ist unter denen, die mein Leben schützen.
In dieser Übersetzung ist noch erkennbar, dass es sich um einen Nominalsatz handelt. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, wer dieser Gott ist: Einer, der mir hilft und der unter meinen Freunden ist, die sich für mich einsetzen.
Mit diesem Beispiel sind wir auch schon bei der Poesie der Psalmen angelangt. Im Unterschied zum deutschen Gedicht gibt es allerdings im Hebräischen so gut wie keine Reimverse. Stattdessen zeigt sich die Kunst der hebräischen Dichtung in der Parallelaussage, die in Fachkreisen mit “Parallelismus membrorum” bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um eine ganz besondere Ausdrucksform orientalischer Poesie. Ein Gedanken, den man gerne mitteilen möchte, wird durch zwei parallele, einander ähnliche Aussagen beschrieben. Die Wahrheit liegt dann sozusagen in der Mitte. Auch dazu ein Beispiel, Psalm 50,20:
Du redest schlecht von deinem Bruder, /
und den Sohn deiner Mutter verleumdest du.
Man kann an diesem Vers schön sehen, wie sich die einzelnen Elemente der beiden Aussagen entsprechen: schlecht reden = verleumden, dein Bruder = Sohn deiner Mutter. Es gibt in den Psalmen sehr viele und unterschiedliche Varianten solcher Parallelaussagen. In der BasisBibel-Übersetzung soll diese Besonderheit natürlich zu erkennen sein. Wir haben uns deshalb entschieden, jeweils hinter die erste Halbzeile eine Schrägstrich zu setzen. Er zeigt an, dass eine zweite parallele Halbzeile folgt, die mit der ersten zusammengehört. Man hätte natürlich auch hinter den ersten Satz einen Punkt setzen und dadurch die Satzlänge verkürzen können. Aber dadurch würde die Parallelaussage getrennt, und das wäre schade.Es gibt freilich eine Reihe solcher Parallelaussagen in den Psalmen, die schwer verständlich sind. Das Problem dabei ist, dass man in der Übersetzung nicht einfach hergehen und die eine schwierige Hälfte umschreiben kann, die andere aber nicht. Denn dann geht die Ähnlichkeit beider Hälften kaputt. Einen besonders schwierigen Fall hatten wir in Psalm 51,7 zu lösen, den Luther so übersetzt hat:
Siehe, ich bin als Sünder geboren,
und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.
Die Übersetzung ist sehr missverständlich. Denn man könnte daran denken, dass die Sünde durch die Zeugung entstanden oder durch die Mutter an den Sohn weitergegeben worden sei. Aber das ist hier gar nicht gemeint. Vielmehr darf man die beiden Aussagen nicht trennen, sondern muss nach ihrem gemeinsamen Gedanken suchen. Nichts anderes möchte ja die hebräische Dichtung erreichen. Nun redet in Psalm 50 ein Mensch, der sich bewusst geworden ist, dass sein ganzes Leben in Schuld verstrickt ist. Sein ganzes Leben? Ja, das möchte er sagen, und deshalb rückt er den Anfang seines Lebens in den Blick. Von Anfang an findet er sich in einer Welt vor, die sich von Gott abwendet und im Zusammenleben versagt. Diese Erkenntnis möchte die Basis-Bibel-Übersetzung zur Geltung bringen und so lautet der erste Halbvers von Psalm 51,7:
Sieh doch: In Schuld hinein wurde ich geboren, /
Nun war noch für den zweiten Halbvers eine Übersetzung zu finden, die eine parallele Aussage dazu bildet und sich nicht vom Hebräischen entfernt. Freilich sollte sie auch das Missverständnis vermeiden, dass die Empfängnis der Mutter etwas mit Sünde zu tun habe. Deshalb mussten beide Wörter möglichst weit auseinander stehen und die Erkenntnis des Beters in den Vordergrund gerückt werden. Der gesamte Vers lautet danach in der BasisBibel:
Sieh doch: In Schuld hinein wurde ich geboren, /
und in Sünde befand ich mich schon,
als mich meine Mutter mit Lust empfangen hat.
In dieser Übersetzung kann man die Entsprechungen im hebräischen Text noch immer gut erkennen: Schuld = Sünde, geboren = empfangen. Doch ist jetzt deutlich, dass der Beter etwas über sich selbst aussagen möchte und seine Schuld nicht irgendwo anders etwa bei seiner Mutter sucht. Nebenbei bemerkt steht übrigens die Übersetzung “mit Lust empfangen” ganz nahe beim hebräischen Text. Denn dieser stellt die Liebe nicht in eine lustfeindliche Ecke.
Mit diesen wenigen Gedanken haben wir uns bereits ein Stückweit in das Neuland der Psalmen-Übersetzung vorgewagt. Unser Ziel ist es, die Schönheit und Fremdheit der Psalmensprache zu erhalten und zugleich einen guten und verständlichen Bibeltext zu schaffen.

Am 29. März 2009 um 20:24 Uhr
Grüß Gott. Ich versuche es mal auf diesem Weg.Ich wollte mich als Testleser bewerben und habe bisher noch keine Rückantwort erhalten.
Können Sie mir vielleicht weiterhelfen? Danke
Mit freundlichen Grüßen
Wieland Oden
Am 12. Juli 2009 um 07:32 Uhr
Die BasisBibel übersetzt in Psam 54:6 (oder Vers 4): “Der Herr …” Sie folgen damit dem schlechten Beispiel der meisten heutigen Übersetzer, iln dem sie den Namen Gottes auch in den Psalmen mit “Herr” widergeben. Im Hebräischen steht hier JHWH und seit Jahrhunderten wird der Name Gottes, weil man nicht genau die Aussprache weiß, mit
J E H O V A übersetzt, was JHWH am nächsten kommt. Für die Leser der BasisBiel soll also unser himmlischer Vater ein n a m e n l o s e r Gott sein! Er hat sich aber im sogenannten Alten und Neuen Testament rund 7000 mal mit seinem persönlichen Namen bekanntgegeben und gerade in den Psalmen wird auf diesen N a m e n großen Wert gelegt. Haben Sie nicht den Mut, den N a m e n Gottes in Ihrer Übersetzung zu nennen?
Warum ersetzen Sie den Namen Gottes mit dem unpersönlichen “Herr”?
Am 24. März 2010 um 14:06 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Alexander Fischer,
zuerst einmal Dank und Anerkennung dafür, dass Sie so ausführlich die Schwierigkeiten der Übersetzung in Ihrem Blog beschrieben.
> Im Unterschied zum deutschen Gedicht gibt es allerdings im Hebräischen so gut wie keine Reimverse. Stattdessen zeigt sich die Kunst der hebräischen Dichtung in der Parallelaussage, die in Fachkreisen mit “Parallelismus membrorum” bezeichnet wird.
Die Umschreibung ist NUR ein Teil von “reimt sich”, der uns in der Bibel zugänglich gemacht wurde. Der “Reim” im hebräischen Text erweitert sich aber um Einiges durch den hebräischen Wortschatz. Es wird mit vernünftigen Verknüpfungen “gereimt”. Das deutsche Sprichwort sagt: “Ich kann es mir zusammen reimen”, und meint dabei aber nicht die akustischen sondern die gedanklichen Verknüpfungen.
Solche Verknüpfungen gingen durch die Übersetzung verloren. In keiner anderen Sprache kann man sie so nachvollziehen und bemüht sich bereits seit Jahrzehnten diese “Bruchteile” zu verbessern. Es verwundern die übrig gebliebenen Ausdrücke, die sonst als Reime dienten. Mit dem anderen Wortschatz “reimte” sich nichts mehr. Erstmals werden Arbeiten über den hebräischen Text gezeigt. Bisherige Übersetzungen stammten aus griechischer und lateinischer Sprache und sie enthalten die Reimmöglichkeiten nicht.
Psalm 51,7:
Sieh doch: In Schuld hinein wurde ich geboren, /
und in Sünde befand ich mich schon,
als mich meine Mutter mit Lust empfangen hat.
In dieser Blickweise reimt man sich etwas von Schuld zusammen.
Niemand kann in Deutsch die gleich lautenden Worte in Hebräisch wissen.
Diese zeigen auf einen ganz anderen Inhalt zu Psalm 51:
***
Wie lernt einer großzügig zu sein und zu richten:
Wäre das auszuhalten?
Wenn etwas beunruhigt – richten.
Sagen was geliebt wird!
Hoffnungsvoll ist, wenn Glanz und Freude kommt, jetzt oder später.
Wie entstand denn die Rebelllion?
Würde durch Erbarmen etwa Entgegenkommen entstehen?
Wer kommt wann entgegen?
Wenn die Dummheit gefällt und viel wird – entsteht Aufstand als nächster Schritt.
Zahlreiches Abnutzen der Stärke wäre eine Sünde.
Jeden Schritt sollte man kennen und die Balance beherrschen.
***
Dies ergibt eine ganz andere Übersicht über das Thema von Psalm 51, als das akustisch fast genau so lautende Lied über David und Bathseba, entsündigt mit Ysop und schneeweiß gewaschen, ein Betteln um Trost und Vergebung der Sünden und Farren auf einem Altar.
Das wird gleich gehört – aber zusätzlich noch völlig anders gedacht!
Durch den hebräischen Text liegt ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren vor.
Natürlich ist dies nicht der Rahmen alle Einzelschritte genau zu erklären. Das müsste anders erfolgen.
Ich hoffe auf eine Nachricht bei Interesse.
Da Sie eine “Basisbibel” generieren, sollte sie die BASIS sein.
Erneut schief dran bauen wäre möglich, aber es ist nicht sinnvoll.
Mit freundlichen Grüßen
Valentina Baer